„Nie wieder Krieg“ so steht es auf vielen Gedenksteinen geschrieben. Jedoch scheint die Welt aktuell weiter von Frieden und Moral entfernt denn je. Und wer glaubt über das Ende des Zweiten Krieges schon (fast) alles zu wissen, kann vor den Toren von Lüneburg dank der Arbeit der Projektgruppe Timeloberg sowie der Stabsstelle für Stadtgeschichte Lüneburg, ein neues Puzzlestück an Erkenntnis hinzufügen. Am Timeloberg – Montgomery’s „Victory Hill“ – zwischen Wendisch Evern und Lüneburg gelegen, fand am 04.05.2025 die 80-Jahrfeier zum Gedenken an die hier 1945 eingeleitete Befreiung von Nazi-Deutschland statt. Alljährlich kommen an diesem Tag am späten Nachmittag Nachfahren und Interessierte am Fuße des Hügels (teilweise ist das Gelände immer noch militärisches Sperrgebiet) am 1995 errichteten Gedenkstein zusammen, um sich der Teilkapitulation und Friedenseinleitung zu erinnern und den inzwischen gut beschilderten Ort auf sich wirken zu lassen. 1995 nahmen an den Feierlichkeiten noch Angehörige von Montgomery und von v. Friedeburg teil.

Die Hanse, das Salz und wie „Monti“ in die Heide kam -Kapitulation am Timeloberg

Die ehemalige Hansestadt Lüneburg ist umgeben von herrlicher Heidelandschaft und bekannt für seine Salinen und Siedekunst. Was aber nur wenige wissen: Hier unterzeichnete eine Delegation des Oberkommandos der Wehrmacht am 04. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Truppen in Holland, Nordwestdeutschland, Schleswig-Holstein und Dänemark gegenüber der britischen Armeeführung unter Feldmarschall Bernard L. Montgomery. Die Waffenruhe trat einen Tag später um 08.00 Uhr morgens in Kraft. In den Niederlanden und in Dänemark ist dieser Tag bis heute Gedenk- bzw. Nationalfeiertag.

Vom Timeloberg aus begab sich die deutsche Delegation weiter ins amerikanische Hauptquartier in Reims und anschließend, am 8. Mai 1945, ins sowjetische Hauptquartier in Berlin-Karlshorst.

Timeloberg ist deutsche Erinnerungskultur 

Mehrfach wurde der Stein inzwischen geschändet, die Inschrift von Unbekannten zerstört und das, obwohl er einzig für eine Epoche des Friedens und der Freiheit in Europa sowie der Aussöhnung und Freundschaft mit den Nachbarländern steht. Fachleute und Friedensforscher gehen bis heute davon aus, daß in der  Bevölkerung die nationalsozialistische Periode der deutschen Geschichte nur allzu gerne als das Werk weniger Übeltäter betrachtet wird und die meisten Deutschen die Kapitulationen zwar als Tag der Erlösung vom Krieg, aber nicht als Tag der Befreiung von einer gnadenlosen Diktatur verstanden.

Ja, spätestens seit dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 war wohl klar, daß nur eine militärische Niederlage Deutschlands das Hegemoniestreben stoppen würde. Allerdings nehmen dieses Vorgehen bis heute weitere Staatschefs für sich zur vermeintlichen Rettung der Welt in Anspruch, auch wenn es eigentlich eher um den Schutz der eigenen Pfründe und Interessen geht.

Bei Lüneburg wurde Anfang Mai 1945 Weltgeschichte geschrieben, darüber sind sich alle einig

H. v. Bülow 5. von links

Foto zeigt Oberstleutnant Helmuth von Bülow (5. v. l.)
Foto: Urheberschaft unbekannt. Stadtarchiv Lüneburg/LZ-Archiv

Delegierte vor der Möllering Villa

3. Mai 1945: Die deutsche Delegation beim Verlassen des Hauptquartiers von General Dempsey, die Möllering-Villa in Häcklingen, einem Stadtteil im Süden von Lüneburg. Foto: IWM (BU 5161)

Am 18.04. waren britischen Truppen in die bis dahin baulich weitgehend intakte Hansestadt Lüneburg eingerückt, nachdem sie bereits am 15.04. das 65 Kilometer südlich gelegene KZ Bergen-Belsen befreit hatten. Der örtliche Wehrmachtskommandant Oberstleutnant Helmuth von Bülow hatte von einer Verteidigung der Stadt abgesehen, da er weitere Kampfhandlungen für sinnlos erachtete.

Der britische General Miles Chr. Dempsey bezog sein Quartier in der „Möllering-Villa“ in Häcklingen, während Feldmarschall Bernard L. Montgomery zunächst in Oedeme auf dem Hof Knacke unterkam. Montgomery wechselte kurz darauf in die Möllering-Villa, um sein Hauptquartier dann aber am 1. Mai auf dem Timeloberg aufzuschlagen.

Hier empfing Lord Montgomery am 3. Mai 1945 die 5-köpfige Wehrmachtsdelegation unter dem Kommando des Generaladmirals Hans-Georg von Friedeburg. Dieser war von Admiral Karl Dönitz, dem Nachfolger Hitlers als Chef der deutschen Reichsregierung, beauftragt worden, einen Teil-Waffenstillstand auszuhandeln, um möglichst lange noch der Roten Armee Widerstand leisten zu können. Am 04. Mai 1945 legten schließlich fast 2 Millionen deutsche Soldaten ihre Waffen nieder.

Es war der Anfang vom Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und begann mit den legendären Worten Montgomerys: „Let us now win the peace„.

 

Anmerkung: Fotos wie markiert sowie Infomaterial „Projektgruppe Timeloberg“, Stadtarchiv Lüneburg etc.

 

 

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