Ein bitte was? Als Ellipsoid bezeichnet man im Sport zum Beispiel einen Rugbyball. Und genau um dieses „Ei“ geht es, wenn vom 03. bis 05. Juli in Hamburg die 7ner-EM im Rugby der Männer und Frauen unter der Regie des Hamburger Rugby Verbandes in Kooperation mit 7ner Rugby Europe in Hamburg startet.

Was man über Rugby wissen sollte 

Rugby ist ein Kontaktsport, bei dem zwei Mannschaften versuchen, einen ovalen Ball in das gegnerische Malfeld zu tragen bzw. dort abzulegen. Die wichtigste Grundregel dabei lautet: der Ball darf mit den Händen nur nach hinten oder quer gepasst werden. Nach vorne darf er nur getragen oder mit dem Fuß gekickt werden.

Normalerweise dauert ein Rugbyspiel 80 Minuten. Beim temporeichen sog. 7ner Rugby stehen sich – statt der üblichen 15 Spieler – jeweils nur sieben Spieler*innen gegenüber. Dafür ist die Spielzeit umso rasanter und dauert regulär nur zweimal 7 Minuten, bei einer einminütigen Pause!

Das Prinzip ist jedoch gleich: es gibt die Stürmer (also Forward-Spieler für den physischen Kampf, Ballbesitz und Standardsituationen wie Gedränge und Gassen) und die Hintermannschaft (also Backs für das schnelle Angriffsspiel, Tempo und Überwinden der gegnerischen Linien).

Das Spielfeld beim 7er-Rugby ist exakt genauso groß wie beim klassischen 15er-Rugby. Da heißt es bei guter Kondition und Spielübersicht also Laufen, was das Zeug hält. Es ist rechteckig und misst in der Regel 100 x 69 Meter, wobei die Maße leicht variieren können.

Wo liegen die Unterschiede zum American Football?

Ein Rugbyball (für Erwachsene Größe 5) ähnelt einem American Football, ist mit 28-30 Zentimeter Länge und ca. 450 Gramm Gewicht aber etwas größer und schwerer als ein American Football. Ein Football hat typischerweise eine markante, weiße Naht an der Oberseite, die den Händen bei weiten Würfen mehr Halt geben soll. Beim Rugby ist das Passen nach vorne streng verboten (nur nach hinten) und der Ball ist eigentlich in ständiger Bewegung. Am auffälligsten ist, daß die Footballer massive Schutzkleidung wie Helme und Pads tragen, die Rugbyspieler jedoch fast ohne Schutz (allenfalls Mundschutz und eine Kappe) spielen.
Seit 2016 ist 7ner Rugby olympische Sportart; jedoch war 2024 kein deutsches Rugby Team vertreten.

Die Situation bei den deutschen 7ner Rugby-Herren

Das deutsche Männer-Team geht aufgrund von Verletzungen des Kapitäns Tim Lichtenberg und den beiden Spielmachern Niklas Koch und Jakob Dipper personell geschwächt, aber um so motivierter in das Auftaktturnier. Bundestrainer Pablo Feijóo sieht darin aber auch Chancen für die „Rising Stars“, d.h. die jüngeren Spieler können nun auch mal zeigen, was in ihnen steckt und wie gut sie auf europäischen Niveau bereits mithalten können. Allerdings trifft das deutsche „Wolfpack“ schon in der Vorrunde auf den EM-Zweiten und aktuellen World-Championship-Dritten aus Spanien sowie die harte Konkurrenz aus Tschechien und Polen. Da dürften sich alle Augen auf Makonnen Amekuedi richten, der als DER Finisher mit Weltniveau im deutschen Team gilt. Laut Bundestrainer sei er schnell, sprungstark, steppe gut und sei auch mal für eine verrückte Aktion bekannt.

Im Kaderaufgebot der Männer stehen: Felix Hufnagel (SC Germania List), Maximilian Kammholz (RG Heidelberg), Lokalmatador Ben Ellermann (FC St. Pauli), Lennox Wiese (Heidelberger RK) und Bela Sindermann (RC Aachen) sowie aus der Sportfördergruppe der Bundeswehr Cedric Eichholz (RG Heidelberg), Bennet Veil (TSV Handschuhsheim), Max Roddick, Chris Umeh (SC Neuenheim), Makonnen Amekuedi (SC Frankfurt 1880), Philip Gleitze, Anton Gleitze (Berliner RC), Til Zahner (Heidelberger RK).

Die Situation bei der „Girl Gang“

Die Entscheidung über den EM-Titel fällt für die Männer und Frauen zwar erst in vier Wochen beim Final-Turnier in Split (Kroatien), für die deutschen Frauen aber haben die Partien in Hamburg Qualifikationsbedeutung. Während die Männer in der neu strukturierten Weltserie sicher in Gruppe 2 sind, strebt die Auswahl von Bundestrainer Curtis Bradford die Qualifikation der Damen für die 3. Gruppe in der kommenden Saison an. In dieser ist allerdings nur noch einer von sechs Plätzen frei, den auch die Teams von Polen, Belgien, Tschechien, Irland und Portugal anstreben. Ein hartes Stück Arbeit also.

Wer sind die Protagonisten im Frauen-Team?

So sieht der Kader aus: Mette Zimmat, Sophie Hacker, Charlotte Malaizier, Paula Schult, Johanna Hacker, Joy Weatherspoon (alle Heidelberger RK), Julia Braun (RK 03 Berlin), Gesine Adler (SC Germania List), Annika Nowotny (TSV Handschuhsheim), Steffi Gruber, Laura Schwinn (SC Neuenheim), Elena-Riccarda Hennig (Donau Wien) und Sofie Fella (Dubai/ VAE). Hier richten sich viele Blicke auf Riccarda Hennig. Die Österreicherin ist “die Neue“ im Kader der deutschen Rugbyfrauen, aber mit 28 Jahren bereits eine der erfahreneren Spielerinnen von Bundestrainer Curtis und dieser ist froh, dass Riccarda jetzt für Deutschland spielt: “Ricci bringt unglaublich viel Energie mit in unser Spiel und ist besonders stark in der 1-gegen-1-Verteidigung“.

Das Zentrum liegt bei den Damen ohne Frage im Südwesten von Deutschland, nämlich in und um Heidelberg.

Im Mittelpunkt des Meet & Greet am 01. Juli 

Die offizielle Pressekonferenz war bereits am Vortag. Vom Pressesreferenten des Deutschen Rugby Verbandes Jens Beeskow erfahre ich schon vor der EM beim Meet & Greet wie es um das deutsche 7ner Rugby so steht. Immerhin gibt es 125 Vereine, die rund 18.000 Mitglieder zählen; mit ansteigender Tendenz. Die Leistungsunterschiede zu den internationalen Top 8-Mannschaften wie Frankreich, Georgien und Fidschi seien schon enorm groß. Groß sei da schon der physische Aspekt. „Wenn da ein deutscher Amateur neben so einem Vollprofi steht, meine man da stünden ein Erwachsener und ein Kind“. Diese Profis verdienen zwar gut, aber das sei nach wie vor nichts gegenüber American Football Spielern. Insgesamt sei man mit der Situation zufrieden und gerade der Neuzugang von Riccarda Hennig samt des wallisischen Trainers (in der Tat hört man seine Stimme über den ganzen Platz) sei eine erfreuliche Bereicherung.

Gerade ist das Demospiel anläßlich des „Meet & Greet“ zu Ende und nun sollen die Damen auch einmal selbst zu Wort kommen. Die Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft im 7ner Rugby Mette Zimmat (30 Jahre)  gibt dem NDR-Reporter noch schnell ein Interview und kommt mir dann auch schon strahlend entgegen. „Hallo, ich bin Mette…“ Nachdem ich mich als „Rugby-Greenhorn“ geoutet habe, liegt die Frage nahe: Warum gerade Rugby? Sie kam in Neuseeland zum Rugby, habe vorher Handball gespielt und u.a. deshalb die Sportart gewechselt, weil Teamgeist und Fairplay im Rugby so großartig seien. In der Tat konnte ich die Mädels schon beim Aufwärmen beobachten. Zu lauter Beatmusik waren da nicht nur Stretching-Übungen, sondern auch viel lautes Lachen und gute Stimmung.

Auf meine Frage zum Regelwerk und des Schiedsrichterwesens (2 Linienrichter und ein Hauptrichter) bestätigt Mette, daß es da – im Gegensatz zu fast allen anderen Sportarten – keine Wortgefechte gebe. Die Schiedsrichter sprächen fast ausschließlich mit den Kapitänen und ihre Entscheidungen wären Gesetz. Sie sieht meinen verdutzten Blick und erklärt schmunzelnd: naja, meist hätten die Schiedsrichter „Normalofiguren“, die männlichen Spieler aber …. alles klar. Aber Rugby ist nicht nur was für harte Kerle, wie wahr. Sie ist eine echte Teamplayerin, will kein großes Gehabe. Sie will von Freitag bis Sonntag die Leistungen auf dem Feld im temporären Stadion am Steinwiesenweg 30 in Eidelstedt beim zweiten Teil der Europameisterschaft sprechen lassen.

Mette zieht weiter und die 26-jährige Sofie Fella eilt zu mir. „Hallo, was willst Du denn wissen …? Das Strahlen, die Unkompliziertheit und die Offenheit der Mädels ist einfach umwerfend und regelrecht ansteckend. Sofie steht für Multikulti in Sachen Rugby. Ihre Mutter ist Chinesin, ihr Vater Deutscher, aufgewachsen ist sie u.a. in den USA, sie startet für Deutschland und lebt die Hälfte des Jahres in Dubai. Sie steht für die große Diversität im Rugby, hat ihre eigene Community und wirbt für einen Sportartikelhersteller. Sie spielte schon in Pittsburgh und Frankreich. Alles begann an der Shanghai American School (2016-2018). Danach ging es zum Psychologie- und Wirtschaftswissenschaftenstudium in die USA. Sie ist Harvard Absolventin (2018-2022) und managt u.a. eine eigene Kollektion, die da.collection. Sie ist ein wahrer Tausendsassa und während wir reden (sie spricht perfekt Deutsch, Englisch, Mandarin und offensichtlich auch etwas Arabisch) nehmen die Autogrammwünsche der anwesenden Kinderschah kein Ende. Auch die Jüngsten sind offenbar schon vom Rugbyfieber infiziert. Ein kleines Mädchen überreicht Sofie noch schnell ein selbst gehäkeltes türkisfarbenes Haargummi, das diese als Glücksbringer dankend über ihr Handgelenk streift. Noch sind die Mehrheit Jungs, aber wer weiß. Ich werde am Freitag beim Kick-Off der Europameisterschaften  dabei sein und drücke die Daumen.

 

Anmerkung: Fotos PFritz und mit freundlicher Genehmigung von Hamburg 7s

 

 

print
Autor

Write A Comment