Auf in den Schnee – juchee! Durch die Stadt und Parks auf Ski wie in Oslo oder Stockholm und als Extra entlang des Wassers. Mit Verlaub, Schlitteln ist eine Sache, aber der trockene Schnee der letzten Tage taugt – mit etwas Geschick – auch ohne Präparierung von Loipen hervorragend für Skilanglauf.

Ski und Rodel im Jenisch Park

Noch kann man den blauen Himmel zwischen den Bäumen und Dunstschwaden nur ahnen, aber das Stimmungsbild ist zauberhaft. Egal, ob man an den kleinen Hütten oder den Museumsgebäuden vorbeikommt. Hier ist gegen 11.00 Uhr schon ordentlich was los, vor allem an den Hügeln, wo es schwungvoll per Schlitten oder auf dem Hosenboden bergab geht. Während einige Hunde sich mit Vergnügen im Pulverschnee balgen und übereinander den Abhang runterkugeln, blicken andere Artgenossen noch ungläubig und tasten sich mit Vorsicht im Schutz von Frauchen und Herrchen die Wege entlang. Und was ist das denn? Tschag, tschag, das Einstechgeräusch der Skistöcke und die Geschwindigkeit der gleitenden Zweibeiner ist ihnen erst recht suspekt. Und da kommen gar noch zwei weitere dieser „Raser“ um die Ecke gebogen.

Abgesehen von zwei griesgrämigen Damen, die etwas von gefährlich und erschrocken „huch, na sowas“ krächzen, blicke ich nur in strahlende Gesichter von Jung und Alt, wenn ich passiere. Nach vielen Daumen hoch und gezückten Handies für einen Schnappschuß beschließe ich für den nächsten Tag nach zwei Stunden Rundkurs ein weiteres Experiment zu wagen.

Elbstrand und Palmaille als Langlaufloipen

Die halbe Nacht haben die Schneeflocken munter um die Wette getanzt. Ich brauche also nur mit meinem Equipment aus dem Haus zu treten und schon skate ich flucks den Mittelstreifen der Palmaille entlang. Man muß ein wenig auf herabgefallende Ästchen achten, da dies die schmalen, quasi kantenlosen  Langlaufski plötzlich stoppen und man sprichwörtlich einen Purzelbaum schlagen kann. Aber es läuft ziemlich perfekt, da der Schnee alles unter sich begraben hat. Herrlich, drei mal rauf und runter. Ein Autofahrer winkt mir zu und ein Radfahrer staunt, daß ich schneller als er unterwegs bin.

Aber es soll noch besser kommen: warum nicht gleich am Elbstrand dahingleiten. Von schneebedeckten Bergen auf Seen und Meere herunter schauen kann man an verschiedenen Orten, z.B. vom Holmenkollen in Oslo, dem Lago Maggiore oder Cypress Mountain bei Vancouver. Aber einen Fluß bzw. einen sandigen Stadtstrand entlang – das gibt es m.W. wohl nirgendwo. Auch wenn die Sonne erst später rauskommt und es hier keine Neigung, also kein auf und ab gibt, die Szenerie ist einfach magisch und die Passanten sind hier einer Skiläuferin gegenüber noch aufgeschlossener, d.h. zwei klatschen in die Hände und fragen nach gemeinsamen Fotos. Die kleinen Strandbistros unterhalb der Himmelsleiter, wo man im Sommer Schatten sucht, erreiche ich so vom Museumshafen aus nach gerade mal knapp 1,5 Minuten – ganz lässig ohne Sprinteinsatz. Dabei habe ich die Wahl zwischen dem von Fußgängern schon platt getretenen Spazierweg oder abseits davon im trockenen Pulverschnee zu skaten (ich ziehe die Skatingtechnik mit den kürzeren Ski dem klassischen Stil vor). Herrrlichh !!! Auch zum Lernen wäre dies der perfekte Moment. Als Kind war mir Skifahren immer lieber als Schlittenrutschen – da mußte mein Vater oft ganz schön rennen bzw. mich im Kindergeschirr ziehen, weil es mir nie schnell genug gehen konnte.

Und nach einigen Hin und Hers kehre ich in Övelgönne ein. Erst im Strandkorb, dann wie auf einer Skihütte in den Alpen bei Kaminfeuer und gemütlicher Bestuhlung mit Hirtenfellen zünftig zum Glühwein. Herz, was willst Du mehr. Naja, man könnte noch einen dampfenden Hotpot aufstellen. Und wer Hunde hat, könnte Dogjöring betreiben, sich also von Hunden auf Ski ziehen lassen oder sich mittels Kite fortbewegen. Mit einem Pferd habe ich Skijöring auf Alpinski schon einmal gemacht. Bei Galopp fliegen einem die losgetretenen Schneebrocken nur so um die Ohren. Und auch das Snowkiten hat so seine Tücken was das Handling des Schirmes angeht, vor allem wenn viel oder wenig Wind herrscht.

Skilaufen in den Boberger Dünen

Nach weiteren Scheefällen stampfe ich per Ski sogar über die Boberger Dünen,  die im Sommer eine spektakuläre Sandlandschaft abgeben. Hier und im angrenzenden Birkenwald, etwa 30 Minuten östlich von Hamburg gelegen, sind nur wenige Leute zu Fuß, aber einige auf Langlaufbrettern unterwegs. An vielen Stellen rund um den Flugplatz ist sogar perfektes Skaten möglich, da zuvor offensichtlich ein Forstfahrzeug auf dem Weg unterwegs war. Als ich bei Rückkehr zum Parkplatz wieder auf die Uhr schaue, sind schon zwei Stunden vergangen.

Nach Rückkehr kann ich beim Blick auf die Elbe schon lange Eisteppiche zwischen den Schiffen vorübertreiben sehen. Bei einsetzender Ebbe haben sich in den Fleeten und trockenfallenden Abschnitten zudem regelrechte Eisblockareale gebildet, wo sich angeschwemmte Eisbrocken regelrecht auftürmen und aneinander festfrieren. Ein Wintermärchen. Mit der nächsten Flut wird alles wieder weggespült.

Entdecke die Möglichkeiten

Man muß es nur tun, wenn sich die Chance bietet! Die Außenalster und einige Seitenkanäle sind inzwischen zugefroren, jedoch ist die Eisdecke nicht sicher genug, um darauf Schlittschuh zu laufen aus. Aber selbst dann ist es bei Minusgraden ein faszinierender Moment, mit einem Glühwein oder Punsch in der Hand das glitzernde Eis von einem Seerestaurant oder Anlegersteg aus zu beobachten und vom Kitesurfen mit Schlittschuhen oder Tourenskating mit Klappschlittschuhen träumen. Die Brüstungen der Koppelkrugbrücke sind inzwischen sogar zu einem bekannten Selfie-Hotspot geworden, da Anwohner und Spaziergänger darauf hunderte von kleinen, liebevoll dekorierten Schneefigürchen hinterlassen haben.

P.S. Auf ein offenes Wort

Das Gejammer über den Klimawandel und die Unwetter-Panikmache vor üblichen Witterungseinflüssen wie Schneefällen und Glatteisbildung ist kaum mehr zu ertragen. Ja, für Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind und Räumdienste, die extra früh raus müssen, mag es eine Herausforderung sein, ABER früher nannte man so ein „Unwetter“ ganz einfach Winter. 

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