Egal, ob Winteraustreiben (Februar), Osterfeuer (April) oder Johannistagfeuer (Juni), viele Kulturen kennen ähnliche Feuerbräuche. Biike- und Osterfeuer werden entzündet, um traditionell den Winter aus- und böse Geister zu vertreiben, den Frühling zu begrüßen. Im Nachgang zum ursprünglich heidnischen Brauch zur Tag- und Nachtgleiche symbolisiert das Feuer heute auch im Christentum die Auferstehung Christi, das Licht und den Sieg des Lebens. In der Regel sind es heute fröhliche gesellige Gemeinschaftsfeste.

OSTERFEUER werden in der Regel bei Einbruch der Dunkelheit am Ostersamstag (2026 am 04. April) entzündet, mancherorts auch erst am Abend des Ostersonntags. Vor allem in Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg haben die Osterfeuer, die die Auferstehung Jesu symbolisieren, eine lange Tradition. Die größten Osterfeuer finden in Hamburg traditionell entlang des Elbstrands statt, gleich vier sind in und um Blankenese (Strandweg) geplant und eines in Wedel vor dem Restaurant „Elbe 1“. Stattfinden können sie natürlich nur, wenn die Wetterbedingungen es zulassen und es – abgesehen von einer HH-Maximalhöhe von fünf Metern – keine sonstigen behördlichen Einschränkungen gelten. Auch in den Hamburger Stadtteilen Farmsen (Strandbad), Langenhorn, Saseler Park, Volksdorf (im Anschluß an den Lions-Osterlauf), Bergstedt und auf dem Feuerwehrgelände in Wellingsbüttel möchte man auf diese Tradition als gesellschaftlicher Treffpunkt nicht verzichten.

Ähnlich der Osterfeuer lodern auch beim BIIKEBRENNEN entlang der nordfriesischen Küste in Deutschland und bis nach Dänemark hinein immer am 21. Februar viele Feuer zur gleichen Zeit. Der Ursprung der Biike geht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Seinerzeit wurden Biikefeuer entzündet, um die gefürchtete Dunkelheit und böse Wintergeister zu vertreiben bzw. die Saat für das kommende Jahr vor schlechten (Wetter)Einflüssen zu schützen. Auf einigen Nordfriesischen Inseln wurde das Biikefeuer auch entzündet, um die Walfänger zu verabschieden, die teils Monate lang auf See blieben.

Biikefeuer – eine gelebte nord­frie­si­sche Tradition

Da prasseln die Scheiterhaufen in salziger Nordseeluft, rinnt der ein oder andere Schnaps die Kehle runter und anschließend gibt es Grünkohl mit „Pinkel“ (darunter versteht man eine Grützwurst aus Schweinefleisch) bis zum Abwinken.

Dieses Jahr war für mich Sankt Peter-Ording das Ziel. Wer will, kann sich natürlich auch schon zum Mittagessen mit Grünkohl und Bratwurst (statt der typischen Grützwurst) stärken, dann hat man für die nächsten Stunden eine gute Grundlage. Auf dem Weg gen Norden sollte man unbedingt einen Einkehrschwung in „Kolles Alter Muschelsaal“ in Büsum machen, einem Traditionsrestaurant wo u.a. Spezialitäten wie Fischerschnitzel und Büsumer Krabbensuppe auf der Karte stehen. Am Nachmittag verführen dort Tortenträume und frische Zimtwaffeln mit warmen Pflaumenkompott oder gegen jede „steife Brise“ Heißgetränke wie  Eiergrog und Co.

Die Biike ist der älteste nordfriesische Brauch und gilt vielen Friesen als eine Art  „Nationalfest“. Im Dezember 2014 wurde das Jahresfeuer zum immateriellen UNESCO Kulturerbe erklärt und besitzt damit eine überregionale Bedeutung. Biike ist das friesische Wort für „Feuerzeichen“.

Wenn an vielen Orten an der nordfriesischen Nordseeküste sowie auf den vorgelagerten Inseln und Halligen am 21. Februar am Vorabend des Petri-Tages  die Feuer entzündet werden, dürfen flammenden Reden davor nicht fehlen. Oftmals werden diese noch auf Friesisch gehalten.

Tjen di Biiki ön!

Der Begriff „Biike“ entstammt sog. Sylter Friesisch. Auf Sylt gibt es an diesem Tag  jedes Jahr gleich neun Biiken, nämlich in List, Kampen/Wenningstedt-Braderup, Westerland, Tinnum, Keitum, Archsum, Morsum, Rantum und Hörnum. Ansonsten gilt, wie anderswo auch: Sind die Fackelzüge an den Biiken angekommen, warten alle gespannt auf den Aufruf „Tjen di Biiki ön!“ (zündet die Biike an!). Kurz darauf fliegt die erste Fackel ins Geäst. In Sankt Peter-Ording (SPO) macht dies aufgrund der hohen Besucherzahl aus Sicherheitsgründen die örtliche Feuerwehr. Nur bei kleineren Veranstaltungen werfen die Zugteilnehmer die Fackel noch selbst in den Haufen bzw. ins Feuer. Bei warmem Punsch lässt sich das Spektakel gespannt beobachten und abwarten, bis die Tonne oder das Fass in die Flammen fällt; erst dann ist der Winter tatsächlich vertrieben. Am Folgetag gibt es vereinzelt auch Musik und Tanz.

Der Haufen besteht aus Holzresten und offensichtlich vielen Ex-Weihnachtsbäumen, die beim Brennen immer noch ätherische Öle abgeben. Da greift das Feuer rasch um sich und verbreitet eine kilometerlange Rauchsäule. Der aufgetürmte Holzhaufen ist innen meist hohl und drunter mit Strohballen als Zunder versehen. Schnell lodern dann Meter hohe Flammen in den Nachthimmel und es knistert geradezu magisch. Vor der Kulisse der Seebrücke und den Salzwiesen macht sich das in SPO besonders gut, insbesondere, wenn das Wetter mitspielt.

Sobald die Dunkelheit hereinbricht, formiert sich ab dem Erlebnishaus entlang der Uferpromenade ein langer Zug von Fackelträgern, der von leuchtenden Stelzengängern begleitet wird. Pünktlich um 18.30 Uhr halten St. Peter-Ordings Honoratioren ihre humorvollen Feuerreden inklusive Jahresrückblick und geben anschließend das Signal zum Anzünden des Feuers. Aus der Entfernung waren sie allerdings schlecht zu verstehen.

Leider kann man geselliges Beisammensein auch übertreiben und die Tradition mit Füßen treten. Nämlich dann, wenn man parallel zum Knistern des Feuers eine Rockband laut über das Geschehen an der Seepromenade brüllen läßt – ein echter Stimmungskiller. Umstehende Zuschauer empfanden dies ebenso. Grund war wohl mal wieder der Kommerz, damit bei den extra aufgestellten Buden auch ordentlich konsumiert wird.  

Die Magie des Feuers konnte dies indes nicht mindern und irgendwo wurde dann aus Tradition sogar in SPO noch das Biikelied schlechthin angestimmt: „Üüs Sölring Lön, dü best üs helig“ – unser Sylter Land, du bist uns heilig. Das Feuer sollte noch lange brennen, bis es schließlich erloschen und von der Feuerwehr fachgerecht erstickt wurde.

Weitere Orte mit religiös-traditionellen Feuerbräuchen

Religiöse Feuer werden weltweit an einer Vielzahl von Orten zu unterschiedlichen Zeiten rund ums Jahr entzündet, die oft eine spirituelle oder historische Bedeutung symbolisieren, wie zum Beispiel Reinigung, göttliche Gegenwart, Transformation oder das Gedenken an besondere Ereignisse:
  • Berge und Gipfel (Tirol/Herz-Jesu-Feuer): Alljährlich am Herz-Jesu-Sonntag (dritter Sonntag nach Pfingsten) werden auf den Bergrücken große Feuer entzündet. Sie gelten als Dankes- und Gelöbnisfeuer, die auf die Napoleonischen Kriege zurückgehen.
  • Feuertempel (Zoroastrismus): Von Feueranbetern werden „ewige Feuer“ in speziellen Feuertempeln (Ataschkada) entzündet und ständig am Brennen gehalten. Sie symbolisieren das göttliche Element.
  • Hindu-Tempel und Häuser (Yajna/Homa): Im Hinduismus werden Opferfeuer in Tempeln oder bei Hauszeremonien auf Altären entzündet, um durch den aufsteigendem Rauch Gaben an die Götter zu übermitteln. 
  • Grabeskirche in Jerusalem (Orthodoxes Osterfest): Jeweils am Karsamstag wird dort das „Heilige Feuer“ in der Grabeskapelle entzündet und von den Gläubigen mit Kerzen weitergegeben.

In diesem Sinne:

Allen ein Frohes (friedliches) Osterfest! Das Wort „Frieden“ scheint international aktuell allerdings eher Wunschdenken und ein Relikt aus der jüngeren Vergangenheit. So entfalten eben auch Waffen und Bombeneinschläge ihre offensichtlich ganz eigene Magie des Feuers. 

 

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