Es gibt Fakten:

19% Gender Pay Gap

37% Gender Pension Gap

48% der angestellt beschäftigten Frauen arbeiten in Teilzeit, von denen 46% familiäre Verpflichtungen als Grund für die Teilzeitbeschäftigung angeben.

61% der Frauen arbeiten im Niedriglohnsegment

Jede 3. Führungskraft ist eine Frau

In den Vorständen der 30 DAX-Konzerne sitzen 23 Frauen

Der Frauenanteil im Bundestag beträgt rd. 37%

In Berlin ist heute Feiertag und wir haben eine Frauenquote.

TOLL!

Der 8. März steht also ganz im Zeichen der Gleichberechtigung und gleicher Rechte für alle Geschlechter; gewaltfrei, selbstbestimmt. Wir feiern den Tag der Frau. Juchu! Ob wir – Frauen – bei den harten Fakten Anlass haben, die Sektkorken nur so knallen zu lassen, finde ich nicht und auch nicht, dass diese Welttage so richtig viel Sinn machen, wenn unser alltägliches Handeln ein anderes ist.

Dass es ein anderes ist, das sehe ich so. Mal abgesehen von den doch sehr bescheidenen Zahlen im eigenen Land, frage ich mich, wo sie sind, die Millionen von Frauen, die sich gemeinsam und unmissverständlich für die Frauen stark machen, die in Unterdrückung leben, denen bereits durchgesetzte Rechte wieder genommen werden und die von Selbstbestimmung und ein Leben ohne Gewalt nur träumen können? Es wird kurz beklagt und hingenommen. Wir kämpfen doch nicht gemeinsam für eine bessere Frauenwelt, jede kämpft hier in erster Linie mal für sich. Verbünden ist unter Frauen schwierig, erst recht, wenn’s im eigenen Universum hübsch kuschelig ist. Da siegen sie schnell, die Eifersüchteleien, die Missgunst, der Neid. Indem wir uns aus vermeintlich niederen Gründen dann eben doch nicht ehrlich zusammentun und füreinander eintreten, verhindern wir mehr als wir schaffen könnten, denn immerhin lassen unsere Gesetze sie zu, die Gleichstellung. Es ist eben nicht so, dass uns Frauen die Türen verschlossen werden, nein, wir halten sie uns hübsch selbst zu.

Ich sage ein Beispiel: Vor rd. 25 Jahren „wurde ich alleinerziehend“, war selbständig und habe für die elterliche und finanzielle Sorge die Hauptverantwortung getragen. Um dem Strudel von „ich schaff das nicht“ und finanzieller Abhängigkeit zu entkommen habe ich viel und hart gearbeitet, hatte wenig Zeit für mein Kind. Soweit so gut und auch kein Einzelfall. Zu Schulfesten konnte ich nichts Selbstgemachtes mitbringen, was die anderen Frauen und zwar ausschließlich Frauen, dann entsprechend kommentierten. Das ging dann z. B. so: „Ist ja schade, dass du so wenig Zeit hast, du kannst dann die Baguettes einkaufen“ oder: „ich mach Käsekuchen, was bestellst du?“ Ein Nachbar – MANN, zwei Straßen weiter, war in der gleichen Lebenssituation, sprich: alleinerziehend, selbständig. Den fragten die Frauen, was sie für ihn backen oder zubereiten könnten, weil er ja immer soooo viel zu tun hätte und überhaupt in so einer Situation Support bräuchte. Bewunderung für ihn, Verachtung für mich. Es ist genau das, was ich zum Kotzen finde und was sich 25 Jahre später vermutlich nicht grundlegend geändert hat. Es ist dieses toxische unter Frauen, was es mir schwer macht, an #frauenunterstüztenfrauen zu glauben.

Viel wichtiger als so ein Weltfrauentag wäre gelebte Solidarität und Loyalität, ehrliches Füreinander und zwar 365 Tage im Jahr.

#frauenfürfrauen – echt und ehrlich.
Genau.

Anhänger

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